Img
" Elder, was bekomme ich, wenn Du den Titel holst? ;-)
..." mehr
Lars Högger, Tipptrainer von FC Little Camel, gab seinen Senf Fr 03.11.2023, 14:43 Uhr hinzu.

Away

Mo 22.11.2004, in der Kategorie Artikel von Roman, 0 Kommentare

Mein längstes Auswärtsspiel

Wie ja die meisten von euch wissen, bin ich die naechste Zeit (bis Ende Mai, um genau zu sein) in Wakefield. Wer geographisch nicht so fit ist, dem sei hier geholfen: Wakefield liegt im Norden Englands, ein paar Kilometer suedlich von Leeds. Wem das immer noch nicht reicht, dem sei gesagt, dass Leeds oestlich (d.h. rechts) von Manchester und Liverpool liegt. Die folgenden literarischen Erguesse meinerseits sind ein Versuch, das zu beschreiben, was

passiert, wenn man als Bayern-Fan, der es gewohnt ist, zu jedem Heimspiel zu fahren und die meisten Auswaertsspiele live im Fernsehen zu sehen, auf einmal andere Wege finden muss, mit seinem Verein in Beruehrung zu bleiben.


Maccabi Tel-Aviv – FC Bayern

Ich war gerade mal einen Tag in Wakefield und hatte am Tag zuvor schon Arsenal gegen PSV Eindhoven gesehen (eines der langweiligsten Spiele seit langem) und wollte natuerlich den CL-Auftakt meines FCB nicht versaeumen. Am Vormittag hatte ich mich schon bei Kollegen und den aelteren meiner Schueler erkundigt, wo denn eventuell die Moeglichkeit bestuende, meinen Verein zu sehen. Ich wurde auf eine Sportbar verwiesen, mit dem Hinweis, dass ich da bestimmt das Spiel sehen koennte. So machte ich mich abends gegen halb 8 (Zeitverschiebung: bei uns fangen die Spiele alle um 19:45 an, was viel angenehmer als zu Hause ist...) in mir damals noch unbekannte Wakefielder Stadtzentrum auf. Nach einigem Herumirren stand ich aber letztendlich doch vorm „Pitchers“ und musste feststellen, dass ausser den obligatorischen Spiele von ManU und Liverpool nix anderes gezeigt wurde. Da ich aber schon mal da war, beschloss ich kurzerhand, mir dann halt meine Lieblingsfeinde aus Manchester zu pressen und stellt zu meiner Zufriedenheit fest, dass zumindest ein Fernseher den Teletext mit den aktuellen Spielstaenden praesentierte. Also konzentrierte sich meine Aufmerksamkeit auf einen Schirm, den ausser mir niemand wirklich beachtete.
Nick Hornby schreibt in seinem brillianten Buch „Fever Pitch“, dass Fussball im Radio Konsum reduziert auf den kleinsten gemeinsamen Nenner ist. Er hat dabei nicht ganz unrecht, aber er musste wohl noch nie ein Spiel ueber 90 Minuten via Teletext verfolgen... Man sitzt da wie ein Idiot und jubelt irgendwann, wenn bei den anderen Spielen nix passiert und wird von vielen Leuten komisch angeschaut, was mir in dem Moment, als bei Bayern auf einmal eine 1 stand und darunter der Name Makaay aber herzlich egal war. Dann aber beginnt die eigntliche Tortur, naemlich das Warten darauf, dass entweder noch ein Tor faellt, um die Spannung zu lindern, oder bei zunehmender Dauer des Spiels, dass endlich FT hinter der Paarung erscheint, was naemlich „Full Time“ bedeutet, sprich Schlusspfiff.
Das passierte letztendlich dann auch und ich hatte waehrend des Spiels sogar eine lustige Unterhaltung mit einem ManU-Fan, der es – wie soviele andere – natuerlich nicht lassen konnte, auf den 26.05.1999 anzuspielen. Darauf erwaehnte ich die CL-Saison 00/01 und diverse Elfmeterschiessen bei diveresen Turnieren (90 und 96) und somit waren wir quit...


Borussia Dortmund – FC Bayern

Von diesem Spiel bekam ich leider nur das Ergebnis mit, was allerdings auch eine lustige Geschichte hergibt.
Mein erstes Wochenende in Wakefield. Nachdem ich tags zuvor mit ein paar Kollegen in Leeds unterwegs war und doch eher ein wenig spaeter ins Bett gekommen war, konnte ich mich erst gegen Mittag erheben. Da mein Kuehlschrank aber ueberhaupt nix fuer ein angemessenes Mittagessen hergab, beschloss ich, einkaufen und, weil das Wetter sehr unbritisch (= schoen) war, auch noch zu Fuss zu gehen. Was ich dabei nicht in Betracht zog, war mal wieder die Tatsache, dass die Bundesliga-Spiele ja hier schon um 14.30 anfangen (Zeitverschiebung, you know). Somit kam ich natuerlich viel zu spaet fuer eine Teletext-Session heim. Gut, ich hab auch nur 5 Programme und zum damaligen Zeitpunkt wusste ich nicht, dass bei einem speziellen Teletext immer die aktuellen Spielstaende und nicht bloss die Endergebnisse angezeigt werden. Auf deutsch: Ich stellte mich halt darauf ein, irgendwann um 16:30 mal nach den Resultaten zu sehen.
Vielleicht hat mich dieser Umstand auch vor einem Herzinfarkt bewahrt. Jedenfalls rief mich mein voellig enthusiastischer Vater gegen 16:25 auf dem meinem Handy an und schilderte mir den Spielverlauf (Anschluss- und Ausgleichs-Treffer zum 2:1/2:2 jeweils kurz vor Schluss). Ihr koennt euch wohl denken, wie das auf dem Teletext ausgesehen haette... Falls ihr euch fragt, warum ich nicht einfach Internet-Radio hoere, dann kann ich nur sagen, dass ich Zugang zum Netz nur immer in der Schule habe und die am Wochenende natuerlich zu ist...


FC Bayern – SC Freiburg

An diesem Wochenende war ich bei meiner Freundin in Birmingham zu Besuch und wir verbrachten diesen Nachmittag damit, das Innenleben der zweitgroessten britischen Stadt zu besichtigen. Ich denke nicht, dass sie grosses Verstaendins gehabt haette, wenn ich von ihr verlangt haette, mit mir 90 Minuten vor einem Computer zu verbringen, aber immerhin konnten wir uns darauf einigen, die letzten 15 Minuten ueber bundesliga.de in der Uni-Bibliothek zu verfolgen. Ich hatte leider meine Kopfhoerer vergessen und so konnte ich wieder kein Liga-Radio hoeren und musste mich mit dem Live-Ticker zufrieden geben.
Dieser stellte schon mal eine Steigerung zum Teletext da, weil dort auch Chancen und wichtige Spielgeschehnisse vermerkt werden, d.h. man muss sich nicht ausmalen, was dauernd passiert (und man denkt dabei nie an schoene Dinge wie z.B. Tore fuer den eigenen Verein, weil man, wie ich finde, als Fussball-Fan schon von Natur aus ein Pessimist ist...), sondern ist zumindest ein wenig ueber die Chancenverteilung informitert und kann zum Schluss sogar sagen, ob der Sieg verdient war oder nicht. Ich hatte nach dem Tel-Aviv Spiel z.B. keine Ahnung, ob das jetzt ein glueckliches 1-0 war oder ob Bayern einfach nur eine katastrophale Chance-Verwertung hatte...
Auch hier konnte ich wieder viele Blicke auf mich ziehen, als ich, nachdem ich den Ticker geoeffnet hatte, mit einem lauten „YES!“ befriedigt feststellen konnte, dass ein Bayern-Sieg nicht in Gefahr war.


FC Bayern – Ajax Amsterdam

Aufgrund meines ersten Erlebnisses in der Sportbar war mir klar, dass ich auch an diesem Abend keine Chance haben wuerde, da ja Liverpool und ManU wieder am selben Abend spielten. Einer meiner Schueler aber bot mir an, die Partie fuer mich aufzunehmen, da er daheim ueber Sky Sports (sowas wie unser Premiere) verfuegte. Also blieb ich zu Hause und schaute mir Wayne Rooneys beeindruckendes Debut fuer ManU an und hatte natuerlich parallel wieder den Teletext laufen. Das Makaay-Tor mitte der ersten Haelfte sorgte dann auch gleich fuer Beruhigung, so dass ich den Teletext auch mal wieder abschalten konnte, um mich dem durchaus unterhaltsamen 6-2 von ManU gegen Fenerbache widmen zu koennen. Das Tor kurz vor der Pause versetzte mich dann sogar in eine angenehme Sicherheit, dass nicht mehr allzuviel passieren koennte, so dass ich erst wieder in der 60. Minute den Text konultierte und zu meiner positiven Ueberraschung feststellen musste, dass es auf einmal 4-0 stand.
Am naechsten Tag hatte ich dann auch prompt eine Videokassette in meinem Fach liegen und waehrend der Mittagspause konnte ich mir dann die Makaay-Festspiele reinziehen. An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich an diesem Morgen zum ersten Mal mit einem extrem breiten Grinsen ins Lehrerzimmer gehen konnte und nur darauf wartete, meinen Kollegen (die den FCB nicht unbedingt hassen, aber es gern sehen, wenn er verliert) die vier Tore mit meiner Bayern-Kravatte unter die Nase zu reiben...

 



SV Werder Bremen – FC Bayern

Mittlerweile hatte ich herausgefunden, dass es einen Videotext bei einem meiner Fernsehprogramme gibt, der die aktuellen Spielstaende der Bundesliga nahezu in Echtzeit praesentiert. Und so war es auch kein Wunder, dass ich mich an diesem Samstag Nachmittag vor meiner Glotze einfand, um ueber 90 Minuten lang wie ein Irrer auf einen schwarzen Bildschirm mit weisser und gelber Schrift zu starren. Und wieder einmal liess sich mein Verein einiges einfallen, um mich wieder ein paar Jahre aelter zu machen.
Zunaechst ging es ja sehr beruhigend mit einem Ballack-Tor mitte der ersten Haelfte los. Wer allerdings die Bayern-Abwehr zum damaligen Zeitpunkt kannte, der wusste, dass das noch gar nix heissen sollte. So bleib es dann auch bis zur Halbzeit und ich hatte 15 Minuten lang Ruhe. An dieser Stelle sollte ich vielleicht noch sagen, dass nicht alle Ergebnisse auf einmal angzeigt werden. Es sind immer nur ca. 3 pro „Seite“, wobei sich die 3 Seiten, ueber die alle Ergebnisse verteilt sind, in einem 20 Sekunden-Takt abwechseln, d.h. man sieht immer 20 Sekunden lang den Spielstand von Bayern und dann 40 Sekunden lang andere Ergebnisse, was bedeutet, dass man ein einminuetiges Update bekommt.
Als mitte der 2. Halbzeit dann auch noch das 2-0 fiel, konnte ich mich ein wenig entspannen, was allerdings auch nur bis zur 81. Minute anhielt, weil dann mein spezieller Freund Klose ein Tor schiessen musste. Was danach folgte, waren nervenzerfetzende 10 Minuten, bis nach einigen Stossgebeten letztendlich das ersehnte FT hinter der Partie erschien und ich mich erschoepft in einen Sessel fallen lassen konnte (ruhig dasitzen war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr moeglich...).


FC Bayern – FC Schalke 04

An diesem Wochenende war meine Freundin bei mir zu Besuch und es traf sich ganz gut, dass sie an diesem Nachmittag aus irgendeinem Grund (vielleicht der vorangegangene Abend mit viel Bier und wenig Schlaf...?) hundemuede war und schlafen wollte, was mir wiederum die Gelegenheit zu einer weiteren Selbst-Tortur gab. Das mag alles sehr heroisch klingen, aber in Wirklichkeit ist es ein wenig bemitleidenswert, wenn man sich diesen Nervenkrieg im vollen Bewusstsein, dass man es schlicht hassen wird, selbst auferlegt.
Mir schwante irgendwie schont nichts Gutes, als es ewig 0-0 stand und es war fuer mich nicht wirklich ueberraschend, als dann ploetzlich der Name Asamoah bei den Torschuetzen auftauchte. Ich vergewisserte mich natuerlich ein paarmal, dass es vielleicht doch ein Eigentor war... Aufgrund der vorangegangenen Spiele in der Liga und im Pokal (der voellig an mir voruebergegangen war...) blieb allerdings noch ein kleiner Funken stupider Hoffnung, der sich aber mit fortlaufender Zeit nauterlich in Luft aufzuloesen begann.


Juventus Turin - FC Bayern

Im Folgenden ein Gespraech zwischen mir und einem Kellner in besagter Sportbar gegen 19:30.

Ich: Welche Spiele zeigt ihr denn heute?
Kellner: ManU und Liverpool.
Ich (mit leicht enttaeuschtem Gesicht): Aha, ok.
Kellner: Was willst du denn sehen?
Ich: Das Bayern-Spiel gegen Juve.
Kellner: Moment, ich schau mal, ob das auf den Screen mit den Ergebnissen krieg... [...] Ja, haut hin, ist in Arbeit [Spiel erscheint tatsaechlich].
Ich: Ok, wenn das so ist, dann haett ich gern ein Bier.
Kellner: Warum Bayern?
Ich: Naja, ich bin aus Muenchen und arbeite jetzt hier an ner Schule als Assistent.
Kellner: Oh, achso, du kommst aus Deutschland. Cool. Na dann mal vie Spass.

Ich weiss nicht, warum ich nochmal da hinging. Vielleicht wollte ich einfach nichts unversucht lassen. Umso erfreuter war ich dann auch, als ich mein erstes Live-Spiel in Wakefield anschauen konnte. Ich war an diesem Abend mal wieder ein Exot... Allerdings waren die anderen beiden Spiele dermassen langweilig, dass ich noch die meisten Ahhs und Ohhs und vor allem Schimpfwoerter von mir geben konnte. Letztendlich war es zwar eine Niederlage und ich war danach natuerlich leicht angepisst, aber fuer mich war vor allem einfach die Tatsache wichtig, dass ich die Mannschaft mal wieder live sehen konnte, was mir einfach bisher gefehlt hat. Das Ajax-Tape war ja schoen, aber ein Live-Spiel ist halt mit nichts zu vergleichen. Ich kann mir zwar ein Fussballspiel mit echtem Interesse anschauen, obwohl ich das Endergebnis schon kenne, aber das ist nichts im Vergleich zum Kitzel eines Live-Spiels.


FC Hansa Rostock – FC Bayern

An diesem Wochenende besuchte ich einen Kumpel im schottischen Glasgow, der mit mir zusammen vor drei Jahren Abi gemacht hatte und jetzt dort fuer ein Jahr studiert. Diesmal gab es natuerlich keine Diskussionen und puenktlich um 14:30 Ortszeit sassen wir mit zwei Kopfhoerern bewaffnet in der Uni-Bibliothek und hoerten Internet-Radio. Das Angenehme daran ist, dass man nicht dauernd wie ein Idiot regungslos auf einen Bildschirm starrt, sondern nebenbei noch emails schreiben und ein bisschen im Netz surfen kann. Man hat natuerlich, fuer alle Faelle, auch den Live-Ticker an, damit man auch ja nix versaeumt.
Die Tatsache, dass es allerdings nur eine Konferenz war (Rostock-FCB war offensichtlich kein Top-Spiel), machte die Sache wieder unangenehmer, weil man dann auch nur alle paar Minuten vom Stand des einen Spiels unterrichtet wird. Somit machte der Live-Ticker des einen Spiels auch wieder Sinn. Bei dieser Gelegenheit moechte ich alle Fussball-Radio-Kommentatoren gerne darauf hinweisen, dass es das Schlimmste ist, was man einem zitternden Fan in der 82. Minute beim Stand von 0-0 antun kann, wenn man einfach nur sagt: „Tor in Rostock!“ UM HIMMELS WILLEN, FUER WEN DENN? DU ARSCH!
Auch in einer Universitaets-Bibliothek ziehen zwei Typen, die auf einmal vor ihren Monitoren sitzen, die Faeuste ballen und stumme Schreie ablassen, alle Aufmerksamkeit auf sich...

 

Alle Kommentare | Zum Text | Deinen Kommentar abgeben

Es existieren bisher noch keine Kommentare.
Lautsprecherbox

11. Spieltag 2023/24

Fazit 10. Spieltag 2023/24

2. Runde DFB Pokal AFS 2023/24

Fazit 9. Spieltag 2023/24

Fazit 8. Spieltag 2023/24

  • Do 26.10, 19:05 Uhr | Roman

Fazit 1. Runde DFB Pokal AFS 2023/24

  • Mo 09.10, 18:22 Uhr | Roman
  • Fr 11.08, 18:15 Uhr | elder

Fazit 6. Spieltag 2023/24